Wie finde ich meine eigene Stimme als Musiker? Ein inspirierendes Gespräch mit Dixon Nacey

Dixon Nacey zu Gast im Backstage Wisdom Podcast

Backstage Wisdom Podcast • Folge 3

Dixon Nacey über Kreativität, Perfektionismus und den Weg zu einer nachhaltigen Musikerkarriere

Wie findet man eigentlich seine eigene Stimme als Musiker?

Viele Musikerinnen und Musiker verbringen Jahre damit, nach genau dieser Antwort zu suchen. Sie üben, vergleichen sich mit ihren Vorbildern und hoffen irgendwann den Moment zu erleben, in dem ihre Musik endlich unverwechselbar klingt. Doch was, wenn wir unsere eigene Stimme gar nicht erschaffen müssen? Was, wenn sie längst da ist – und wir sie lediglich nach und nach freilegen?

Über genau diese Fragen spricht Marco Hohner in dieser Folge des Backstage Wisdom Podcasts mit dem neuseeländischen Gitarristen, Arrangeur, Musikpädagogen und Musical Director Dixon Nacey. Dixon lebt und arbeitet in Auckland, hat drei Soloalben veröffentlicht und mit zahlreichen renommierten Musikerinnen und Musikern aus aller Welt zusammengearbeitet. Fast beeindruckender als seine musikalische Laufbahn ist jedoch die Art, wie er über Musik denkt.

Gemeinsam sprechen sie darüber, wie eine nachhaltige Musikerkarriere gelingen kann, ohne die Freude an der Musik zu verlieren. Es geht um Perfektionismus, Coverbands, Improvisation, den Mut, musikalische Vorbilder zunächst zu kopieren, und darum, warum genau dieser Weg oft der Schlüssel zur eigenen künstlerischen Stimme ist.

Das Gespräch macht Mut, den eigenen Weg nicht ständig an anderen zu messen. Denn vielleicht entsteht ein erfülltes Musikerleben nicht dadurch, dass wir versuchen, einzigartig zu sein – sondern dadurch, dass wir immer mehr den Mut entwickeln, wir selbst zu werden.

🎧Hier kannst du die komplette Backstage Wisdom Podcastfolge direkt ansehen. 🇳🇿 Diese Folge ist auf Englisch.
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Key Takeaways

Deine eigene Stimme ist längst da

Viele Musiker glauben, sie müssten etwas völlig Neues erschaffen, um einzigartig zu sein. Dixon zeigt, dass es vielmehr darum geht, die eigene musikalische Persönlichkeit Schritt für Schritt freizulegen – statt ständig nach etwas zu suchen, das außerhalb von uns liegt.

Die besten musikalischen Momente lassen sich nicht erzwingen

Kontrolle ist beim Üben unverzichtbar. Auf der Bühne kann sie jedoch zum Hindernis werden. Wirklich berührende Musik entsteht oft dann, wenn Vorbereitung und Vertrauen zusammenkommen – und wir aufhören, jeden Ton kontrollieren zu wollen.

Eine nachhaltige Musikerkarriere entsteht nicht auf der Bühne

Konzerte sind nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Die eigentliche Musikerkarriere entsteht in den unzähligen Stunden des Übens, Entdeckens und Ausprobierens – und in der Freude am Prozess, nicht nur am Ergebnis.

Der Deep Dive

Deine Stimme musst du nicht finden – sondern freilegen

Wer ernsthaft Musik macht, kennt diese Sehnsucht: Irgendwann möchte man nicht mehr wie die eigenen Vorbilder klingen, sondern nach sich selbst. Viele Musikerinnen und Musiker fragen sich deshalb, wann sie endlich ihre „eigene Stimme" finden. Doch genau diese Vorstellung stellt Dixon Nacey im Gespräch mit Marco Hohner auf den Kopf.

Seiner Erfahrung nach beginnt musikalische Eigenständigkeit nicht erst dann, wenn wir plötzlich etwas völlig Neues erschaffen. Im Gegenteil: Jede Musikerin und jeder Musiker bringt von Anfang an eine einzigartige Mischung aus Persönlichkeit, Erfahrungen, Hörgewohnheiten und musikalischen Einflüssen mit. Die eigene Stimme entsteht deshalb nicht aus dem Nichts – sie wird mit der Zeit immer sichtbarer.

Das bedeutet allerdings nicht, dass wir unsere Vorbilder ignorieren sollten. Dixon beschreibt vielmehr, wie wichtig es ist, zunächst zu beobachten, zu imitieren und sich inspirieren zu lassen. Fast jeder große Musiker hat genau so begonnen. Wer versucht, möglichst früh „originell" zu sein, setzt sich oft unnötig unter Druck. Viel wichtiger ist es, sich über Jahre mit Musik auseinanderzusetzen, verschiedene Stile kennenzulernen und dabei immer wieder ehrlich hinzuhören: Was berührt mich wirklich? Was fühlt sich nach mir an?

Mit der Zeit geschieht etwas Spannendes. Die Einflüsse verschwinden nicht – sie verschmelzen miteinander. Aus vielen kleinen Puzzleteilen entsteht langsam etwas, das niemand anderes genauso ausdrücken könnte.

Vielleicht ist genau das die beruhigendste Erkenntnis dieser Folge: Die eigene Stimme ist kein Ziel, das wir irgendwann erreichen. Sie begleitet uns von Anfang an. Unsere Aufgabe besteht lediglich darin, immer mehr den Mut zu entwickeln, sie hörbar werden zu lassen.

Die Musik beginnt dort, wo Kontrolle endet

Es gibt diesen einen Moment im Gespräch, der lange nachhallt. Dixon erzählt von einem Konzert, bei dem plötzlich etwas geschah, das er bis heute kaum in Worte fassen kann. Für einen kurzen Augenblick hatte er das Gefühl, sich selbst von außen zu beobachten. Als würde er nicht mehr aktiv jede Note spielen, sondern lediglich Zeuge dessen sein, was gerade durch ihn hindurch geschah.

Für viele Menschen klingt das zunächst außergewöhnlich. Für Musiker ist dieses Erlebnis jedoch gar nicht so fremd. Manche nennen es Flow. Andere sprechen davon, „im Tunnel" zu sein oder völlig im Moment aufzugehen. Was all diese Erfahrungen verbindet, ist nicht etwas Mystisches, sondern das Fehlen von Selbstkontrolle. Plötzlich verschwindet die innere Stimme, die bewertet, korrigiert und ständig fragt, ob gerade alles gut genug ist.

Genau hier macht Dixon eine bemerkenswerte Unterscheidung. Kontrolle ist beim Üben unverzichtbar. Sie hilft uns, Technik zu entwickeln, Fehler zu erkennen und Sicherheit aufzubauen. Doch auf der Bühne gelten andere Regeln. Dort kann genau dieselbe Kontrolle zum Hindernis werden. Wer versucht, jeden Ton bewusst zu steuern, bleibt oft im Kopf hängen – statt wirklich Musik zu machen.

Vielleicht besteht die eigentliche Kunst deshalb darin, beides zu lernen: gesunde Disziplin in der Vorbereitung und tiefes Vertrauen im entscheidenden Moment. Erst wenn wir bereit sind, das Erarbeitete loszulassen, entsteht Raum für Spontaneität, Kommunikation und echte musikalische Begegnung.

Diese Haltung lässt sich weit über die Bühne hinaus übertragen. Auch im Alltag versuchen wir häufig, alles kontrollieren zu wollen: unsere Karriere, unsere Außenwirkung oder den nächsten Schritt. Doch manche Dinge entstehen erst dann, wenn wir aufhören, sie erzwingen zu wollen. Vielleicht gilt das für Musik genauso wie für das Leben selbst. Manchmal ist der wichtigste Schritt nicht, noch mehr zu tun – sondern der Musik zu erlauben, ihren eigenen Weg durch uns zu finden.

Warum Kompromisse manchmal der Schlüssel zur künstlerischen Freiheit sind

Kaum ein Thema wird unter Musikerinnen und Musikern so emotional diskutiert wie Coverbands und kommerzielle Auftritte. Für die einen gehören sie selbstverständlich zum Beruf. Andere haben das Gefühl, sich damit von ihrer eigentlichen Kunst zu entfernen. Dixon Nacey sieht diesen Gegensatz erstaunlich gelassen.

Im Gespräch beschreibt er, dass sich musikalische Erfüllung und wirtschaftliche Realität nicht gegenseitig ausschließen müssen. Im Gegenteil: Gerade Aufträge, die vielleicht nicht hundertprozentig der eigenen künstlerischen Vision entsprechen, können die Grundlage dafür schaffen, später genau die Projekte umzusetzen, die einem wirklich am Herzen liegen.

Diese Haltung verändert den Blick auf eine Musikerkarriere grundlegend. Anstatt jeden Job danach zu bewerten, ob er die eigene künstlerische Identität widerspiegelt, fragt Dixon vielmehr: Ermöglicht mir diese Arbeit, langfristig Musik zu machen?

Diese Perspektive nimmt enormen Druck heraus. Nicht jedes Konzert muss der Höhepunkt der eigenen Laufbahn sein. Nicht jedes Projekt muss die Welt verändern. Manche Auftritte finanzieren das Studio. Manche Unterrichtsstunden ermöglichen die nächste Tour. Manche Cover-Gigs schaffen den Freiraum, ein eigenes Album zu schreiben. Erst das Zusammenspiel all dieser Bausteine macht eine Musikerkarriere langfristig tragfähig.

Vielleicht liegt genau darin eine der wichtigsten Erkenntnisse des Gesprächs. Nachhaltigkeit bedeutet nicht, ständig nur das zu tun, was sich im jeweiligen Moment vollkommen richtig anfühlt. Nachhaltigkeit bedeutet, Entscheidungen zu treffen, die es ermöglichen, auch in zehn oder zwanzig Jahren noch mit Freude Musik zu machen.

Dixon macht deutlich, dass Erfolg deshalb nicht an einzelnen Auftritten oder Karriereschritten gemessen werden sollte. Entscheidend ist vielmehr, ob unser Berufsleben die Liebe zur Musik schützt, statt sie langsam aufzubrauchen. Denn am Ende ist eine nachhaltige Musikerkarriere nicht die lauteste oder spektakulärste – sondern diejenige, die uns erlaubt, neugierig zu bleiben und unser Instrument auch nach Jahrzehnten noch mit Begeisterung in die Hand zu nehmen.

Drei Impulse zum Mitnehmen

1. Wann hast du das letzte Mal Musik gemacht, ohne ein Ziel erreichen zu wollen?

Nicht, um besser zu werden. Nicht, um jemanden zu beeindrucken. Sondern einfach aus Freude am Entdecken.

2. Spiele beim nächsten Üben oder Improvisieren fünf Minuten lang ganz bewusst ohne zu bewerten. Beobachte einfach, was entsteht. Was hat sich verändert?

3. Was bedeutet es für dich, deine eigene musikalische Stimme zu finden?

Welche Einflüsse möchtest du bewusst bewahren – und wo darf heute etwas entstehen, das nur nach dir klingt?

Es gibt viel zu entdecken!

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Im Backstage Wisdom Podcast sprechen wir mit Musikerinnen und Expertinnen über das Leben hinter der Bühne – ehrlich, tiefgründig und ohne einfache Antworten.

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