Was Musiker wirklich glücklich macht – Einblicke in ein erfülltes Musikerleben mit Felix Wiegand
Backstage Wisdom Podcast • Folge 1
Das Leben hinter der Bühne – zwischen Erfolg, Balance und Erfüllung
Große Bühnen, ausverkaufte Hallen und Tourneen mit bekannten Künstlern gelten oft als Inbegriff eines erfolgreichen Musikerlebens. Doch was bleibt, wenn der Applaus verklungen ist? Was trägt uns langfristig – unabhängig von Karriere, Bekanntheit oder äußeren Erfolgen?
Kontrabassist Felix Wiegand kennt beide Welten. Er studierte Klassik und Jazz, spielt regelmäßig mit Dick Brave alias Sasha, stand zuletzt mit Robbie Williams auf der Bühne und ist gleichzeitig tief in eigenen musikalischen Projekten verwurzelt. Im Backstage Wisdom Podcast Gespräch mit Marco Hohner geht es jedoch nicht um prominente Namen oder Karrierewege, sondern um die Frage, wie ein erfülltes Musikerleben wirklich gelingen kann.
Wir sprechen über die Kraft langjähriger Bandfreundschaften, den Mut, sich mit über 50 noch einmal neu herauszufordern, den Umgang mit Selbstzweifeln und darüber, warum Musik zwar ein zentraler Teil des Lebens sein kann – aber niemals die einzige Quelle für Glück sein sollte.
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«Ich ziehe viel aus der Musik – aber sie ist nicht der Hauptgrund zum Glücklichsein.»
— Felix Wiegand, Bassist bei Dick Brave
Key Takeaways
Erfolg allein ist kein stabiles Fundament
Große Bühnen und bekannte Namen können Türen öffnen – langfristige Zufriedenheit entsteht jedoch erst, wenn Musik nicht die einzige Quelle des eigenen Glücks ist und das Leben hinter der Bühne auf einem gesunden Fundament steht.
Gute Musik beginnt mit guten Beziehungen
Ob Band, Unterricht oder Tourleben: Vertrauen, Respekt und ehrliche Kommunikation sind oft wichtiger als Perfektion und bilden die Grundlage für langjährige, musikalische Zusammenarbeit.
Die eigene (musikalische) Weiterentwicklung endet nie
Mit Anfang 50 entschied sich Felix Wiegand noch einmal für ein Masterstudium. Eine Erinnerung daran, dass Neugier und persönliches Wachstum keine Altersgrenze kennen.
Der Deep Dive
Warum Erfolg allein kein erfülltes Musikerleben schafft
Von außen betrachtet scheint die Antwort einfach: Wer mit Robbie Williams auf der Bühne steht, regelmäßig mit Dick Brave tourt und seit vielen Jahren als erfolgreicher Profimusiker arbeitet, muss es geschafft haben. Doch genau an diesem Punkt wird das Gespräch mit Felix Wiegand spannend. Denn obwohl er all das erlebt hat, spricht er kaum über große Bühnen oder prominente Namen. Stattdessen konzentrieren Marco und er sich auf eine Frage, die viele Musiker*innen irgendwann beschäftigt: Reicht beruflicher Erfolg wirklich aus, um langfristig glücklich zu sein?
Gerade in der Musikbranche wird Erfolg häufig an äußeren Maßstäben gemessen – ausverkaufte Konzerte, Tourneen, Streamingzahlen oder bekannte Künstler, mit denen man zusammenarbeitet. Diese Momente können unglaublich erfüllend sein. Gleichzeitig sind sie vergänglich. Der Applaus verstummt, die Tour endet und irgendwann beginnt wieder der ganz normale Alltag. Wer sein Glück ausschließlich an solchen Höhepunkten festmacht, läuft Gefahr, sich ständig nach dem nächsten Erfolg sehnen zu müssen.
Felix beschreibt im Gespräch etwas anderes. Für ihn sind es die Dinge abseits der Bühne, die langfristig Stabilität schaffen: ein erfüllendes Privatleben, langjährige Beziehungen, Neugier und die Bereitschaft, sich immer wieder weiterzuentwickeln. Musik ist ein zentraler Teil seines Lebens – aber nicht die einzige Quelle seines Glücks. Gerade darin liegt eine wichtige Erkenntnis für alle Musiker*innen: Ein erfülltes Musikerleben entsteht nicht nur durch das, was auf der Bühne passiert, sondern vor allem durch das Fundament, das wir uns daneben aufbauen.
Vielleicht ist das sogar die größte Botschaft dieser Folge. Erfolg darf ein wunderbares Ergebnis unserer Arbeit sein. Er sollte jedoch niemals darüber entscheiden, wie wertvoll wir uns als Mensch oder als Musiker*in fühlen. Denn genau diese innere Unabhängigkeit schafft die Freiheit, Musik langfristig mit Freude, Neugier und Leidenschaft zu machen – unabhängig davon, wie groß die Bühne gerade ist.
Große Bühnen und bekannte Namen können Türen öffnen – langfristige Zufriedenheit entsteht jedoch erst, wenn Musik nicht die einzige Quelle des eigenen Glücks ist und das Leben hinter der Bühne auf einem gesunden Fundament steht.
Gute Musik entsteht durch gute Beziehungen
Wenn Marco Hohner und Felix Wiegand im Backstage Wisdom Podcast über das Musikerleben sprechen, fällt auf, dass es erstaunlich selten um Technik oder Perfektion geht. Stattdessen kehren sie immer wieder zu einem Thema zurück, das im Musikbetrieb oft unterschätzt wird: Beziehungen. Nicht nur die Beziehung zur Musik, sondern vor allem zu den Menschen, mit denen wir sie teilen.
Felix erzählt von Bandkollegen, mit denen er seit über dreißig Jahren zusammenspielt. Manche Freundschaften reichen bis in seine Jugend zurück. Aus gemeinsamen Projekten wurden langfristige Partnerschaften, aus Kollegen wurden Freunde. Diese Kontinuität ist in einer Branche, die von ständig wechselnden Besetzungen und kurzfristigen Projekten geprägt ist, alles andere als selbstverständlich. Umso deutlicher wird, welchen Wert Vertrauen und gegenseitiger Respekt für ihn haben.
Dabei spricht Felix nicht von Harmonie um jeden Preis. Gute Zusammenarbeit bedeutet für ihn nicht, dass es nie Meinungsverschiedenheiten gibt. Im Gegenteil: Kritik, unterschiedliche Ansichten oder Konflikte gehören dazu. Entscheidend ist jedoch, wie wir damit umgehen. Wer bereit ist zuzuhören, das eigene Ego immer wieder ein Stück zurückzustellen und dem anderen zunächst mit Wohlwollen zu begegnen, schafft einen Raum, in dem musikalische Entwicklung überhaupt erst möglich wird.
Gerade Musiker*innen verbringen oft mehr Zeit mit ihren Bandkollegen als mit Familie oder Freunden. Tourneen, Proben und Konzerte verlangen ein hohes Maß an Vertrauen. Vielleicht unterschätzen wir deshalb manchmal, wie sehr die Qualität unserer Beziehungen auch die Qualität unserer Musik beeinflusst. Eine Band, in der sich Menschen respektieren und ehrlich miteinander kommunizieren, spielt häufig freier und kreativer als eine mit technisch brillanten Einzelkämpfern.
Vielleicht ist das eine der wertvollsten Erkenntnisse aus diesem Gespräch: Musik entsteht zum großen Teil durch gute Beziehungen. Wer langfristig Freude am Musikerleben haben möchte, sollte deshalb nicht nur Zeit in Technik, Üben oder Karriere investieren, sondern ebenso in die Menschen, mit denen dieser Weg geteilt wird. Denn oft sind genau diese Beziehungen das, was auch dann noch trägt, wenn der Applaus verklungen ist.
Über die Freiheit, sich immer wieder neu zu entfalten
Mit Anfang 50 entscheiden sich viele Menschen für mehr Sicherheit, Routine oder den wohlverdienten Alltag. Felix Wiegand entschied sich für das Gegenteil: Er schrieb sich noch einmal für ein Masterstudium im Jazz ein. Nicht, weil er etwas beweisen musste oder seine Karriere davon abhing. Sondern weil er spürte, dass in ihm noch etwas darauf wartete, entdeckt zu werden. Genau dieser Gedanke machte Marco Hohner im Backstage Wisdom Podcast besonders nachdenklich. Denn wie oft begrenzen wir uns selbst durch die Vorstellung, dass für bestimmte Träume irgendwann der richtige Zeitpunkt vorbei sei?
Felix beschreibt sehr ehrlich, dass ihn bestimmte musikalische Fragen über Jahre begleitet hatten. Er wollte tiefer verstehen, forschen und sich noch einmal bewusst Zeit nehmen, um zu lernen – obwohl er längst ein erfolgreicher Berufsmusiker war. Diese Haltung wirkt beinahe ungewöhnlich in einer Branche, in der viele glauben, irgendwann "fertig" sein zu müssen. Doch vielleicht liegt gerade darin ein Missverständnis. Künstlerisches Wachstum endet nicht mit einem Abschluss, einer Tour oder einer erfolgreichen Karriere. Es lebt von der Bereitschaft, immer wieder Anfänger zu sein.
Das gilt nicht nur für Musik. Jeder Mensch trägt Interessen, Sehnsüchte oder Fähigkeiten in sich, die manchmal jahrelang unberührt bleiben. Oft sind es nicht mangelnde Möglichkeiten, sondern eigene Überzeugungen, die uns davon abhalten, ihnen nachzugehen. Dafür bin ich zu alt. Jetzt lohnt sich das nicht mehr. Ich müsste das doch längst können. Solche Gedanken setzen uns Grenzen, die in Wirklichkeit gar nicht existieren.
Felix zeigt, dass persönliches Wachstum weniger mit dem Alter zu tun hat als mit Neugier. Wer sich erlaubt, Fragen zu stellen, Neues auszuprobieren und auch einmal Unsicherheit auszuhalten, bleibt lebendig – als Musiker*in und als Mensch. Vielleicht besteht ein erfülltes Musikerleben deshalb nicht darin, irgendwann anzukommen, sondern darin, sich immer wieder weiterzuentwickeln und dabei den Kontakt zu der eigenen Begeisterung nicht zu verlieren.
Diese Offenheit zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Gespräch. Nicht Perfektion, sondern Neugier. Nicht Stillstand, sondern Entwicklung. Und vielleicht ist genau das eine der schönsten Botschaften dieser ersten Folge von Backstage Wisdom: Solange wir bereit sind zu lernen, bleibt auch unsere Musik in Bewegung.
Mit Anfang 50 entschied sich Felix Wiegand noch einmal für ein Masterstudium. Eine Erinnerung daran, dass Neugier und persönliches Wachstum keine Altersgrenze kennen.
Drei Fragen zum Mitnehmen
1. Woran misst du deinen Erfolg als Musiker*in – und entspricht das wirklich dem, was dir langfristig wichtig ist?
2. Welche Menschen geben dir Kraft, Inspiration und das Gefühl, musikalisch ganz du selbst sein zu können?
3. Wenn Alter, Geld oder Erwartungen keine Rolle spielen würden: Was würdest du heute lernen oder ausprobieren?
Es gibt viel zu entdecken!
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Im Backstage Wisdom Podcast sprechen wir mit Musikerinnen und Expertinnen über das Leben hinter der Bühne – ehrlich, tiefgründig und ohne einfache Antworten.
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